Über mich

Slow Photography statt Selfie-Wahn

Der Fotograf Helmut Newton saß zusammen mit seiner Frau June in Los Angeles in einem sehr guten Restaurant. Als der Küchenchef mitbekam, wer da bei ihm zu Gast war, kam er an Newtons Tisch, um ihn zu begrüßen. „Ich bin ein großer Bewunderer von Ihnen und finde Ihre Fotos sehr beeindruckend“, sagte er. „Sie müssen eine sehr gute Kamera haben!“ Newton bedankte sich höflich und aß weiter. Nach dem Abräumen ließ er den Küchenchef noch einmal zu sich rufen und sagte ihm lächelnd: „Ihr Essen war vorzüglich. Sie müssen über sehr gute Töpfe verfügen!“

Warum ich diese Geschichte gerne erzähle? Ich betreibe die Fotografie als Hobby, sie ist für mich kreativer Zeitvertreib und künstlerische Herausforderung zugleich. Ich nutze dazu eine gute, spiegellose Systemkamera, ordentliche Objektive und adäquates Zubehör, eine ältere Version von Photoshop zur Nachbearbeitung, neuerdings auch LUMINAR und ab und an die Nik Collection. Alles nicht das Tollste und Teuerste, ich bin schließlich kein Profi und kann auch gut mit dem Gedanken leben, nicht immer das neuste und beste Equipment zu besitzen. Zudem halte ich es mit dem Motto von Gisèle Freund: nicht die Kamera macht das Bild, sondern das Auge des Fotografen.

Fotos begleiten mich mein ganzes Leben lang, seitdem ich als Junge eine einfache Box-Kamera geschenkt bekommen habe. Seit rund vier Jahren beschäftige ich mich nun intensiv mit Fotografie, theoretisch und praktisch. Ich versuche, von den Besseren zu lernen und dabei meinen eigenen Stil zu entwickeln, den ich am ehesten mit künstlerisch-dokumentarisch beschreiben würde. Dabei interessiert mich weniger das Große Ganze, die Totale, als vielmehr der Blick aufs Detail. Ob das Strukturen in alten Industrieanlagen sind oder markante Objekte in unbekannten Städten und Landschaften, der Blick hinter die Postkartenfassade ist mir wichtig, den möchte ich festhalten. Dass es hinter den Kulissen oft wesentlich unansehnlicher zugeht als davor, ist für mich kein Hinderungsgrund. Schöne Bilder mache ich auch, aber eher nebenbei. Mehr die Schatten als das Licht, mehr die Struktur als die Fassade interessieren mich, da suche ich nach neuen Sehweisen und ungewöhnlichen Ein- und Ausblicken. In jüngster Zeit widme ich mich auch zunehmend der Street-Fotografie, auch wenn die auf Grund der verschärften deutschen Datenschutzgesetzte immer mehr im Ausland stattfinden muss.

Blickdicht | Fotografie habe ich aufgesetzt für alle diejenigen, die einem Foto mehr Aufmerksamkeit widmen als 0,8 Sekunden, was mittlerweile wohl die durchschnittliche Verweil-Dauer pro Foto bei Instagram ist.

Wenn in den sozialen Medien nur noch Quantität zählt und täglich unglaubliche 80 Millionen Fotos hochgeladen werden, dann ist Blickdicht | Fotografie der bewusste Schritt hin zu einer qualitativen Auseinandersetzung mit dem Medium. Sozusagen Slow Photography statt Selfie-Wahn. Deswegen meine Bitte: schauen Sie gerne länger hin und, wenn es Ihnen gefällt, oder auch nicht, kontaktieren Sie mich: ich freue mich über qualifizierte Kommentare und Hinweise.

Apropos, warum ich diesen Blog blickdicht genannt habe? Blickdicht bedeutet undurchsichtig, undurchschaubar, da muss man zweimal hinschauen, um die wahre Natur der Dinge zu erkennen. Genau das mache ich mit meinen Bildern, wortwörtlich ist es der dichte, der genau Blick, den ich hier auf die Dinge werfe.

Klaus Wazlak