Das wohl unbekannteste Fotomuseum Europas

Sicherlich ist es eines der am wenigsten bekannte Fotomuseen Europas, das Marubi-Museum in der nordalbanischen Stadt Shkodra. Dort, in einem schön renovierten Bürgerhaus in der Fußgängerzone,  beherbergt es die komplette Sammlung des Begründers der albanischen Fotografie, Pjeter Marubi, und seiner Söhne. Marubi kam 1856 nach Shkodra, nachdem er aus politischen Gründen aus Italien fliehen musste. Er war Künstler, Schriftsteller und Maler, und er beherrschte die damals noch fast unbekannte Kunst der Fotografie.  Zwei Jahre nach seiner Ankunft machte er das erste Fotos, das jemals in Albanien aufgenommen wurde und gründete in der nordalbanischen Stadt sein Fotostudio. Später setzen sein Adoptivsohn und dessen Sohn sein Werk. Die drei Foto-Pioniere fotografierten Landschaften, politische Ereignisse und immer wieder die Menschen Albaniens. Honoratioren, aber auch einfache Leuten in ihrem täglichen Leben und bei der Arbeit. Damit schufen sie eine sozialgeschichtliche Quelle von unschätzbarem Wert. Mit den rund 150.000 Fotos der Sammlung dokumentieren die Marubis über einen Zeitraum von beinahe 100 Jahren praktisch lückenlos die politischen Ereignisse und den gesellschaftlichen Wandel in Albanien.

Ein besonderer Glücksfall ist die Tatsache, dass die Privatsammlung die kommunistische Ära und die Unruhen von 1979 unbeschadet überstand, auch nicht nach Tirana ausgelagert wurde, sondern in Shkodra verbleiben konnte. Heute steht sie unter dem Kuratorium einer französischen NGO und der Unesco. Zu sehen sind in dem modern und attraktiv gestalteten Museum wechselnde Ausstellungen zum Schaffen der Marubis, aber auch historische Fotoapparate und ein Nachbau der Kulisse des ersten Fotostudios. Die Sammlung der Marubi ist online in einem virtuellen Archiv dokumentiert.

 

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